Stat E-Stics #69

Themenspecial: Ladeinfrastruktur

Außerdem: Zulassungszahlen D-A-CH

Zulassungszahlen und Ladeinfrastruktur im D-A-CH Raum

Auch wenn derzeit jeder über Lieferverzögerungen spricht und teilweise auch selbst zu spüren bekommt, vermitteln die Neuzulassungszahlen vom März ein anderes Bild, jedenfalls auf den ersten Blick. So wurden immerhin um 14 % mehr neue Elektroautos auf deutsche Straßen gebracht als im Vergleichszeitraum 2021. Absolut gesehen sind das somit 34.474 neue Elektroautos im März 2022 in Deutschland.

Bei näherer Betrachtung fällt jedoch auf, dass die beliebtesten Modelle andere sind im Vergleich zu früheren Statistiken, wo fast immer Teslas Model 3 und der VW ID.3 um die Plätze 1 und 2 gekämpft haben. Jetzt ist es so, dass Teslas Model 3 nach wie vor sehr gut dasteht mit 16 % aller elektrischen Neuzulassungen, auf Platz 2 finden wir aber diesmal das Model Y - mit sehr guten 7 % Anteil. Das erste Modell von VW ist erst auf Platz 10 zu finden mit dem ID.4, der ID.3 ist sogar gar nicht in der Top 10 vertreten. Auch die sonst sehr beliebten Modelle Renault Zoe und der Skoda Enyaq sind nur auf den Plätzen 6 bzw. 9. Das heißt natürlich nicht, dass Tesla die Krise gar nicht zu spüren bekommt, sondern es zeigt eher, dass es die Autohersteller unterschiedlich schnell und unterschiedlich intensiv zu treffen scheint. Denn auch Tesla kämpft schon mit teilweise recht langen Lieferzeiten, im Extremfall muss man auf ein Model 3 bis zu einem Jahr warten. Anteilsmäßig liegt Deutschland im März 2022 bei 14,3 % Elektroautos – das ist schon eine ganze Menge.

In Österreich wurde erstmals seit sehr langer Zeit ein Minus verzeichnet, so wurden 10 % weniger Elektroautos neu zugelassen als im März 2021. Tesla ist auch hier sehr stark vertreten mit 21 % Anteil beim Model Y auf Platz 1. Volkswagen selbst ist gar nicht in der Top 10 vertreten, hier schlägt die Krise vollends zu. Zumindest die VW-Konzernmarken hat es nicht so schlimm erwischt, der Skoda Enyaq landet auf Platz 3 mit 6 % Anteil, der Cupra Born auf Platz 4 mit 5 % und der Audi Q4 e-tron erreicht Platz 6 mit 4 % Anteil. Anteilsmäßig an den Gesamtzulassungen ist das Elektroauto mit 14,7 % vertreten.

Die Schweiz übertrifft aber alles und konnte ein Plus von 83 % bei den Elektroauto-Neuzulassungen verzeichnen. Hier landete das Tesla Model 3 auf Platz 1 mit 22 % Anteil. Die Volkswagen-Gruppe ist auf Platz 6 erstmalig vertreten mit dem VW ID.3, dem Audi Q4 e-tron auf Platz 7, dem Skoda Enyaq auf Platz 9 sowie dem VW ID.4 auf Platz 10. Auffällig ist in der Schweiz der Peugeot e-208, welcher es in die Top 10 geschafft hat mit 151 Autos. Und auch den BMW i4 finden wir in den anderen beiden Ländern nicht, in der Schweiz hingegen hat er die Zahl von 110 Exemplaren erreichen können.

Gesamtbestand Elektroautos

Für Betrachtungen zur Auslastung des Ladenetzes ist jedoch auch der gesamte Bestand an Elektroautos wichtig. Wie viele Elektroautos sind also derzeit insgesamt auf den Straßen unterwegs?

Die Zahlen bilden den Stand Anfang April 2022 ab: Da gab es in Deutschland 702.172 reinelektrische Autos, in Österreich waren es 85.032 und in der Schweiz 84.234.

Ladenetz und Auslastung Deutschland

Aktuell gibt es in Deutschland 28.246 öffentliche Schnellladestationen mit 82.953 Ladepunkten. 19 % davon sind Schnelllader mit Ladeleistungen von zumindest 43 kW somit 15.761 Schnellladepunkte. 

Die genaue Herangehensweise unserer Berechnungen findet ihr in unserem Blog. Hier ein kurzer Überblick der Zahlen:

Der Freizeitverkehr lädt durchschnittlich einmal pro Monat am öffentlichen Schnelllader, somit haben wir hier 702.172 Ladungen pro Monat (Bestand lädt einmal im Monat auf).

Einen relativ großen Anteil machen auch beruflich Fahrende aus, 33 % der Elektroautos müssen auch im Arbeitsleben regelmäßig schnellladen. Wir gehen von einer Schnellladung pro Arbeitstag aus, somit 5 Ladungen pro Woche und rund 20 Schnellladungen pro Monat. Das sind gesamt 4.634.340 Schnellladevorgänge im Monat. Das klingt ja doch nach einer ganzen Menge.

Nun haben wir noch jene 15 %, die daheim gar nicht laden können. Hier rechnen wir mit 2 Schnellladungen pro Woche, somit 8 pro Monat. Das sind dann noch einmal 842.608 Schnellladungen im Monat. Die Annahme könnte eventuell zu hochgegriffen sein und spiegelt nur unsere persönlichen Erfahrungen wider.

So kommen wir gesamt auf 6.179.120 Schnellladevorgänge im Monat in Deutschland. Klingt doch schon nach ganz schön viel, jetzt schauen wir mal, ob die bestehenden Ladestationen diesem Andrang gewachsen sind.

Also - auf einen Monat gerechnet haben wir in Deutschland 7.565.280 Schnellladeslots verfügbar. Damit ist schon ersichtlich, dass es ausreichende Möglichkeiten gibt und noch keine Überlastung zu sehen ist, aber ein Belegungsgrad von 81,7 % mit dem derzeitigen Aufkommen an Elektroautos ist dennoch ziemlich hoch.

Bei den AC-Ladungen gehen wir davon aus, dass jene 15 %, die aufs öffentliche Laden angewiesen sind, täglich aufladen müssen. Somit gleichen wir aus, falls wir zu wenig Laternenlader angenommen haben. Es gibt 54.749 Anschlüsse für beschleunigtes Laden mit 11-42 kW, welche täglich von mindestens 2 Autos genutzt werden können, es gibt also 109.498 Lademöglichkeiten pro Tag. Damit würde die Auslastung bei doch schon eher besorgniserregenden 96,2 % liegen. Aber in der Realität muss nicht jeder sein Elektroauto täglich aufladen. Daher ist hier noch etwas Spielraum.


Ladenetz und Auslastung Österreich

Auch hier ziehen wir wieder dieselben Berechnungen heran – daher nehmen wir auch hier für den Freizeitverkehr eine Schnellladung pro Monat an. Beim aktuellen Bestand sind das demnach 85.032 Schnellladungen im Monat.

Die beruflich Ladenden machen auch hier 33 % aus und laden an jedem Arbeitstag somit auch wieder 20 Mal pro Monat. Das ergibt 561.220 Schnellladevorgänge pro Monat.

Dann gibt es wieder all jene, die daheim nicht laden können, das sind 15 % der Elektroautos und die fahren 2 Mal pro Woche zum Schnelllader, so die Annahme. Damit hat hier jeder 8 Ladungen im Monat, was insgesamt in 102.040 Ladungen pro Monat resultiert.

Wir haben somit in Österreich pro Monat eine Anzahl von 748.292 Schnellladevorgängen, dem gegenüber steht eine Kapazität von 1.173.600 möglichen Ladungen. Die Auslastung der DC-Lader beträgt damit 63,8 %, immer noch ein recht hoher Wert, gerade auch, wenn man an exponentielles Wachstum bei den Neuzulassungen denkt.

Wie sieht es bei den AC-Ladern aus? Die werden primär von jenen genutzt, die daheim gar nicht laden können, wir nehmen 15 % an, aber rechnen mit einem Ladevorgang täglich. Die Auslastung liegt dann bei 56,5 % (12.755), auch hier ein auf den ersten Blick gar nicht mal so hoher Wert, was sich jedoch durch exponentielles Wachstum bei den Neuzulassungen schnell ändern kann.

Ladenetz und Auslastung Schweiz

In der Schweiz beträgt der Fahrzeugbestand bei Elektroautos 84.234.
Der Freizeitverkehr nutzt die Schnelllader durchschnittlich einmal pro Monat, somit fallen aus diesem Sektor 84.234 Schnellladungen pro Monat in der Schweiz an.

Beruflich unterwegs Ladende machen 33 % aus und laden auch in der Schweiz 20 Mal pro Monat. 555.940 Schnellladevorgänge fallen pro Monat in diesem Bereich an.

Und dann haben wir ja noch all jene, die daheim gar nicht laden können und deswegen auch mal ohne Langstreckenfahrten zum Schnelllader fahren. Hier haben wir 15 % der Elektroautos und die fahren 2 Mal pro Woche, somit 8 Mal pro Monat zu einer öffentlichen Schnellladestation. Somit kommen weitere 101.080 Schnellladevorgänge hinzu.

Das macht zusammen 741.254 Schnellladungen pro Monat in der Schweiz – doch reichen die verfügbaren Stationen aus, um dieses Aufkommen abzudecken? Die Kapazität liegt bei 859.680 Schnellladungen in einem Monat, also ein wenig Spielraum gibt es noch, zumindest in der Theorie. 86,2 % beträgt die Auslastung der Schnelllader in der Schweiz. Ausreichend in der Theorie sagen wir bewusst deshalb, weil die Anzahl an Elektroautos immer weiter zunimmt und wenn der Ladeinfrastrukturausbau nicht nachkommt, haben wir bald ein Problem.

Schauen wir noch zum Belegungsgrad der AC-Lader in der Schweiz, denn hier haben wir tatsächlich schon jetzt ein ernsthaftes Problem. 5.969 Anschlüsse für AC-Ladungen mit 11-42 kW gibt es in der Schweiz. Wir nehmen an, dass jeder Ladepunkt mindestens 2 Mal pro Tag genutzt werden kann, somit können 11.938 Autos pro Tag aufgeladen werden. Wenn jene 15 %, die nicht daheim laden können, täglich diese Stationen aufsuchen würden, dann haben wir einen Belegungsgrad von 105,8 %, und das wäre eine Überlastung. Klar, nicht jeder muss täglich laden – aber dennoch sollte man die Infrastruktur in der Schweiz rasch weiter ausbauen.

Wir müssen hier noch erwähnen, dass bei diesen Berechnungen davon ausgegangen wurde, dass jeweils nur die im eigenen Land zugelassenen Elektroautos dort unterwegs sind. In der Praxis ist es natürlich so, dass auch Fahrzeuge aus Deutschland in Österreich oder der Schweiz unterwegs sind, vor allem auch wenn man an die Urlaubszeit denkt und sehr viele Autos gleichzeitig dieselbe Route nach Italien oder Kroatien fahren. Hier ist dann die Auslastung noch höher, die ja jetzt in der gesamten D-A-CH-Region schon auf sehr hohem Niveau liegt.

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur steht natürlich nicht still, doch man darf sich durchaus die Frage stellen, ob es nicht zu langsam vorangeht, wenn wir uns die Zunahme bei den Neuzulassungen der Elektroautos vor Augen führen.


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