Elektroauto-News #81

VW-Chef Herbert Diess tritt zurück, Porsche Macan verspätet sich, Polestar 4, Tesla Servicezeiten, LFP-Akkus bei Ford, Tesla auf dem Mount Everest, Mercedes EQV, Maserati GranTurismo Folgore EV, Honda Prologue EV 

VW-Boss Herbert Diess tritt zurück

Auch wenn es schon das eine oder andere Gerücht dazu gab, kam die Bestätigung nun doch sehr plötzlich und überraschend: VW-Vorstandvorsitzender Herbert Diess kündigt seinen Rücktritt an. In einer kürzlich abgehaltenen Sitzung kam die Nachricht an die Öffentlichkeit, und auch ein Nachfolger steht schon fest. Es wird der bisherige Porsche-CEO Oliver Blume werden, doch wer genau ist das eigentlich? Bevor wir uns mit dem Erbe und dem Einfluss von Herbert Diess auf VWs Elektro-Strategie beschäftigen - werfen wir einen genaueren Blick auf die Person Oliver Blume:

Oliver Blume, 54 Jahre alt, ist bereits seit 1994 im VW-Konzern tätig. Erfahrung in führenden Positionen bringt der gebürtige Braunschweiger dank seiner Jobs bei den Marken Audi, Seat, Volkswagen und Porsche auf jedem Fall mit. Seit mittlerweile 7 Jahren ist er bei Porsche Vorstandsvorsitzender. Aufgrund seiner verschiedenen Funktionen und 28 Jahren Erfahrung im Konzern sei Blume nun die richtige Person an der Spitze, um die Positionierung der Marken weiter voranzutreiben.

Herbert Diess hat den VW-Konzern in den letzten Jahren sehr konsequent in Richtung reinelektrische Mobilität getrimmt. Mit der Entwicklung der MEB-Plattform bereits ab 2015 hat Volkswagen heute 2022 bedeutende Marktanteile in der Elektromobilität gewinnen können und solide Vorteile gegenüber anderen großen Herstellern. Der Marktanteil bei VW-Konzern-Elektroautos liegt im ersten Halbjahr 2022 bei 15 %, im Vergleich dazu hat selbst ein Hersteller wie Tesla nur 10 % erreichen können. Vor der MEB-Plattform hatte Renault eindeutig die Nase vorn mit 7,84 % Anteil im Jahr 2015. Der Renault Zoe war das meistverkaufte Elektroauto der Welt.

Unter Herbert Diess ist die ganz neue Elektroschiene mit Namen "ID" und davon gleich 4 neue Elektromodelle in Form des ID.3, ID.4, ID. 5 und ID.Buzz auf den Markt gekommen. Aber die MEB-Plattform wird auch bei anderen Marken wie Audi, Skoda und Cupra verwendet und damit steht der Volkswagen Konzern mit 14 Elektroautomodellen von allen Herstellern am besten da. Andere Hersteller wie der Hyundai-KIA Konzern haben z. B. lediglich acht Elektroautos im Portfolio. Toyota hat sogar erst eines mit dem bZ4x im Programm - doch es wurde schon ein Heer von neuen Elektroautos angekündigt.

Wie wird das Thema Elektromobilität also unter Oliver Blume weitergeführt werden – kann VW diesen Vorteil in die Zukunft mitnehmen?

Erst Anfang Juli war Blume bei einem entsprechenden Interview zu diesem Thema geladen. Elektromobilität habe für Porsche höchste Priorität, doch auch moderne Verbrennungsmotoren würden weiter gebaut werden. Der Porsche 911 sei beliebter denn je bei den Kunden, eine Hybridisierung wie aus dem Motorsport soll in den nächsten Jahren kommen. Blume unterstützt die von der deutschen Ampelkoalition kommunizierte Technologieoffenheit, er sieht also auch E-Fuels als Teil der Lösung. Dennoch sagt Blume, dass bei Porsche im Jahr 2030 mehr als 80 % der Fahrzeuge vollelektrisch ausgeliefert werden sollen, mit dem Taycan wurde bereits ein sehr erfolgreicher Anfang gemacht. Über 80 % Elektro und dennoch steht Blume auch für E-Fuels, wie passt das zusammen?
Die Erklärung von Oliver Blume ist folgende: Weltweit gibt es mehr als eine Milliarde Bestandsfahrzeuge, und Porsche gehört zu den Automarken die noch viele Bestandsfahrzeuge im Umlauf haben. Diese Autos sind teilweise sehr gut erhalten und könnten auch noch eine geraume Zeit weiter halten. Da sie aber mit einem Verbrennungsmotor funktionieren, ist Porsche natürlich daran interessiert, E-Fuels voranzutreiben, denn E-Fuels können in Zukunft auch Oldtimer betreiben. Aber auch in anderen Teilen der Welt wie zum Beispiel Afrika könnten E-Fuels eine ergänzende Lösung sein, insbesondere auch deshalb, weil die Fahrzeuge ohne Umbauten betankt werden können.

E-Fuels sieht Oliver Blume aber nur als Zwischenlösung für Bestandsfahrzeuge. Primärer Fokus ist und bleibt auch unter Oliver Blume die reinelektrische Mobilität, so wie auch unter Herbert Diess.

Neben seinem neuen Posten als VW-Chef wird Oliver Blume auch seine bisherige Stelle als Porsche-Chef behalten, was die Frage aufwirft, wie sich das Verhältnis von Porsche und VW in Zukunft gestalten wird. Blume war auch in seiner bisherigen Tätigkeit schon immer ein Teamplayer, in nahezu jedem Interview erwähnte er die Wichtigkeit jener Personen, die für ihn, also für Porsche tätig sind. Deswegen ist es durchaus wahrscheinlich, dass der VW-Konzern insgesamt näher zusammenrückt. Auch wenn Porsche am Aktienmarkt seinen eigenen Weg gehen wird, hier soll es nach aktuellen Plänen in Q4 2022 zu einer Abspaltung vom VW-Konzern geben, so dürften Porsche und VW dennoch weiterhin voneinander profitieren, womöglich sogar noch stärker als vor der Trennung am Aktienmarkt, da der VW-Konzern die Einnahmen gut für Investitionen in die Elektromobilität, in die Softwareentwicklung und in Digitalplattformen gebrauchen kann.

Herbert Diess war mit Sicherheit eine starke Figur an der Spitze von VW und auch eine treibende Kraft für die gesamte deutsche Automobilindustrie. Auch seine Nähe zu Tesla-Chef Elon Musk hatte einen Einfluss darauf, wie die Deutschen Herbert Diess sehen und sein Treffen und die gemeinsame Probefahrt mit dem VW ID.3 wurde auf YouTube viele Millionen Male angeklickt.

Herbert Diess wird ab 1. September nicht mehr als Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG tätig sein. Dennoch wird er weiterhin als Berater bei VW bleiben und dabei auch weiterhin ein Millionen-Gehalt bekommen.

Sein Nachfolger Oliver Blume bringt aber ähnlich große Ambitionen in Sachen Elektromobilität mit und wir können uns auf spannende Zeiten mit dem VW-Konzern unter Oliver Blume freuen. Der Nachfolger der MEB-Plattform wird ebenfalls bald kommen, die SSP-Plattform ist für die zweite Hälfte des laufenden Jahrzehnts eingeplant und soll neben akkutechnischen Verbesserungen auch das Thema automatisiertes Fahren mehr in den Fokus rücken.

VW dürfte sich auch weiterhin unter der neuen Führung immer mehr in Richtung einer sehr starken Elektroautomarke transformieren. Wie Volkswagen mit dem Thema Software umgeht, könnte in Zukunft auch richtungsweisend für die ganze deutsche Automobilindustrie sein. Und vielleicht schafft es Volkswagen mit einer Leitfigur wie Oliver Blume, bekannte und weltweit führende Kompetenzen in die Zukunft zu tragen und damit die deutsche Automobilindustrie weiterhin als das Maß aller Dinge in Sachen Automobil zu platzieren.

Wir danken Herbert Diess für seinen Leistungen in der Elektromobilität und wünschen Oliver Blume viel Erfolg, denn die Elektromobilität erlebt gerade eine sehr spannende Zeit und wohl den größten Aufschwung aller Zeiten!

Porsche Macan EV verspätet sich

Bleiben wir gleich bei Porsche, genauer gesagt beim Macan Elektro, der schon einige Male als Erlkönig zu sehen war und eigentlich Ende des Jahres oder Anfang 2023 auf den Markt kommen sollte. Doch aus 2023 wird nun laut Porsche nichts mehr, denn Probleme mit der Software führen zu weiteren Verzögerungen. Dadurch wird Porsche seinen ersten Elektro-Macan erst ab 2024 an Kunden ausliefern können.

Polestar 4

Von Porsche zu Polestar. Kürzlich wurden die Preise für den Polestar 3 offiziell bekannt gegeben und dass der Polestar 3 in direkter Konkurrenz zum Porsche Cayenne gesehen wird - nur eben rein elektrisch und preislich attraktiver. Jetzt gibt Polestar auch Preise des kommenden Polestar 4 bekannt. Und der soll sogar ein gutes Stück günstiger sein als der Polestar 3: ab 55.000 € soll es losgehen. Die Produktion des Polestar 4 wird nach aktuellem Stand Ende 2023 starten, ausgeliefert wird das Modell dann ab 2024 und wir freuen und darauf, denn wir haben ja einen nigelnagelneuen Polestar 2 bei Instadrive – habt ihr das Video dazu schon gesehen? Ja, wir freuen uns auf den Polestar 3 und 4 – und dass die Familie größer wird und mehr Auswahl von diesem interessanten Hersteller verfügbar ist.

Tesla Servicezeiten

Tesla selbst sieht seine Performance bei den Services seiner Fahrzeuge bereits als gut, möchte die Service-Dienstleistungen aber dennoch weiter verbessern. Orientieren möchte sich Elon Musk dabei an den flotten Boxenmannschaften aus der Formel 1. Bekommen Tesla-Fahrer also in Zukunft einen Reifenwechsel in nur 1,82 Sekunden, so wie bei Red Bull Racing im Jahr 2019 beim Brasilien-Grand-Prix? Nein, so ist es natürlich nicht, aber Tesla will sich an den grundsätzlichen Abläufen orientieren, um möglichst effizient und damit zeitsparend bei Services arbeiten zu können. Denn klassische Serviceintervalle gibt es bei Tesla ohnehin nicht. Also einen Tesla müsste man nie zum Service stellen und dennoch verliert man die Garantie nicht. Das ist bemerkenswert – natürlich sollte man verschlissene Scheibenwischer wechseln, aber auch den Luftfilter und die Bremsen könnte man nach 100.000 km kontrollieren lassen. Aber Tesla hat hier ein ganz anderes Geschäftsmodell als andere Hersteller und gerade darum ist diese Meldung von Tesla auch interessant.

LFP-Akkus bei Ford

Ford will seinen Mustang Mach-E und zukünftige Elektroautos günstiger machen und daher auf LFP-Akkus umstellen. So soll der Mustang Mach-E mit dem kleineren Akku ab 2023 mit LFP-Zellen ausgestattet sein. Die Materialkosten sollen damit um 10-15 % sinken. Aufgrund steigender Kosten sei der Mustang Mach-E derzeit nicht mehr profitabel für Ford, weswegen die preisgünstigere LFP-Technologie dazu beitragen soll, die Rentabilität wieder herzustellen. Ob auch die Kunden sich dann wieder auf günstigere Mustangs freuen dürfen? Ford hat hier bekanntlich vor einigen Wochen die Preise deutlich erhöht. Warten wir ab, ob die zukünftig günstigeren Materialkosten sich auch bei den Verkaufspreisen widerspiegeln werden.

Tesla auf dem Mount-Everest

Ein Tesla auf dem Mount Everest? Das geht doch nicht, es ist viel zu kalt, das schaffen die Akkus nicht, oder? Falsch gedacht, denn jetzt haben ein Model Y und ein Model X tatsächlich das Basislager des höchsten Berges der Welt erreicht, das liegt 5.200 m über dem Meeresspiegel. Doch die erste Fahrt eines Elektroautos war das nicht, denn schon 2020 schaffte es ein Model 3 bis zum Basislager. Die Fahrer des Model Y und Model X jetzt hatten es aber jetzt wohl deutlich einfacher, denn im vergangenen April hat Tesla gemeldet, sein Supercharger-Netzwerk auf dem Weg zum Mount Everest um 11 Stationen erweitert zu haben. Die letzte Station mit 2 Stalls befindet sich demnach knapp 200 km vor dem Basislager auf 4.300 m Meereshöhe. In der Vergangenheit haben Berichten zufolge auch der Hyundai Kona Elektro und der VW ID.6, der ja vorerst nur in China erscheinen wird, bereits den höchsten Berg der Welt erklommen.

Mercedes EQV Facelift Erlkönig

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Mercedes EQV Facelift

Bei Mercedes EQV Facelift scheint es den Bildern nach zu urteilen ein paar Anpassungen an Front und Heck gegeben zu haben, diese Fahrzeugteile sind nämlich als einzige getarnt. Was aber viel stärker auffällt, ist der Innenraum, denn das Cockpit ist komplett abgedeckt. Da dürfte es wohl doch größere Anpassungen gegeben haben.

Maserati GranTurismo Folgore EV Erlkönig

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Maserati GranTurismo Folgore EV (Quelle: Stefan Baldauf)

Auch vom Maserati GranTurismo Folgore EV gibt es neue Bilder. Besonders spannend sind jene Aufnahmen, wo ein Blick unter die Motorhaube möglich ist. Da, wo früher mal ein Verbrenner drinnen war, ist nun alles komplett voll mit Elektronik. Maserati hält nach wie vor daran fest, sein erstes Elektro-Coupé im kommenden Jahr auf den Markt zu bringen.

Honda Prologue EV Erlkönig

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Honda Prologue EV

Und auch den Honda Prologue EV haben wir für euch mitgebracht. Ab 2024 soll das auf der neuen Ultium-Plattform basierende SUV auf den Markt kommen. Beim Erlkönig sind große Ähnlichkeiten zu Chevrolets Blazer EV zu erkennen. Das neue Elektromodell könnte durchaus sehr spannend werden.


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