Renault Zoe: Schwachstelle Fahrwerk

Renault Zoe: Nach 30.000 km verschlissene Traggelenke und Reparaturkosten von ungefähr 1000,- Euro. Was kann man dagegen tun?

Überblick

Das Fahrzeug, um das es sich handelt, ist eine Renault Zoe Phase 2. Das Elektroauto ist seit 16.08.2017 auf der Straße - also mit heutigem Datum circa 4,5 Jahre. Die Gesamtlaufleistung beträgt nur 32.224 km und bereits jetzt sind beide Traggelenke an der Vorderachse ausgeschlagen. Genauer gesagt spricht die Werkstatt davon, dass die Traggelenke hin zum Achsschenkel, also die Kugelgelenke, ausgeschlagen sind. Die Vertragswerkstatt geht von einem erheblichen Sicherheitsrisiko aus, daher müssen die Traggelenke getauscht werden. Garantie gibt es keine, weil es sich um ein Verschleißteil handelt. Kostenpunkt fast 1000,- Euro.
Der Defekt tritt unseres Erachtens zu früh auf. Die Vertragswerkstatt ist nicht dieser Meinung - es sei ein übliches Verschleißteil - also alles ganz normal. Nun, in diesem Fall ist die Zoe schon 4,5 Jahre alt - aber das ist nicht der Grund für den Verschleiß, sondern die Laufleistung. 30.000 km kann leicht auch bereits nach 1,5 Jahren schaffen und dann hat man ein fast neues Auto und eine erste große Reparatur zusätzlich zum jährlichen Service. Da sagen wir ganz klar: Nein, das finden wir nicht normal und auch nicht in Ordnung!
Darum möchten wir euch helfen, diese Schwachstelle von Renault kennenzulernen, zu verstehen und vor allem Aufklärungsarbeit leisten. Ich werde euch auch noch wertvolle Tipps geben, wie ihr die Haltbarkeit des Fahrwerks vielleicht verlängert und in wie vielen Fällen das Problem auftritt.

Renault Zoe Fahrwerkverschleiß kein Einzelfall

Zuerst gingen wir von einem Einzelfall aus - der Fahrer fährt gerne über den Acker oder presst gerne Feld- und Forstwege entlang - aber wir mussten feststellen, dass es sich hier, wie wir sehen werden, um keinen Einzelfall handelt, sondern um eine gängige Schwachstelle der Renault Zoe.
Wir haben in Foren zahlreiche Fälle gefunden, aber auch auf YouTube häufen sich die Berichte von Fahrwerksproblemen der Zoe.
Jens von Move Electric berichtet zum Beispiel, dass seine damals 3,5 Jahre alte Zoe (2015er Baujahr) nach 78.800 km ausgeschlagene Querlenker hatte und 800 € Servicekosten verursacht hat. Jens war schockiert.
Oder Jürgen von AT-Zimmermann hatte eine Zoe mit nur 17.800 km in seiner Werkstatt mit einem ausgeschlagenen Traggelenk vorne rechts.
Im Forum von going-electric haben 274 Zoe-Besitzer an einer Umfrage teilgenommen. Davon hatten 18 % bis 30.000 km einen Defekt am Fahrwerk der Zoe - 32 % bis 50.000 km - 26 % bis 80.000 km und nur 23 % keinen Defekt am Fahrwerk.
Hauptsächlich waren die Querlenker links oder rechts instand zu setzen.
Aufgrund dieser Statistik kann man durchaus von einer Schwachstelle sprechen, meinen wir - und Jürgen von AT-Zimmermann hat dies auch gut begründen können:
Die Zoe sei generell ein relativ robustes Auto aber die Vorderachse wurde vom Verbrenner Renault Scenic Phase 2 übernommen. Der hat zwar in etwa dasselbe Gewicht, aber ein weitaus schwächeres Anfahrdrehmoment als der Elektro-Zoe und darum gibt es regelmäßig Probleme mit den Traggelenken an der Vorderachse.
Die Hinterachse ist eine Verbundlenkerachse und vom Renault Clio übernommen. Die macht kaum Probleme. Die Trommelbremsen sehen zwar nicht hübsch aus, sind aber sehr stabil und langlebig. Gerade bei einem Elektroauto, wo man weniger bremsen muss, rosten die Trommelbremsen innen nicht in solchem Maße wie offene Scheibenbremsen. Daher sollte man bei Scheibenbremsen mindestens ein Mal im Monat stark runterbremsen, weil durch die Rekuperation die Bremsen nicht so oft benutzt werden.

Zahlen zu Wartungskosten und Servicehäufigkeit

Oben haben wir vom going-electric-Forum berichtet, und dass nur 23 % der Umfrageteilnehmer keinen Defekt am Fahrwerk vor dem Erreichen von 100.000 km hatten.
Wir haben uns jetzt 38 Wartungsprotokolle von 20 Renault Zoe von Instadrive durchsehen können und haben daraus einen Durchschnitt errechnet.
Im 1. Jahr waren die durchschnittlichen Wartungskosten aller 20 Renault Zoe bei 159,64 €.
Da gab es auch keine besonderen Vorkommnisse.
Im 2. Jahr war der Durchschnittswert schon etwas höher und zwar bei 196,66 €.
Da war bei einem Zoe die 12-V-Batterie zu erneuern.
Im 3. Jahr stiegen die durchschnittlichen Wartungskosten auf 213,94 € an - was eigentlich sehr gering ist.
Es gab ein besonderes Vorkommnis, denn es wurde ein Ölwechsel bei einem Service verrechnet. Da ist der Werkstatt ein kleiner Fehler unterlaufen, es war ihnen auch sehr peinlich - die Rechnung wurde dann erneut ausgestellt - natürlich ohne Ölwechsel.
Für das 4. Jahr gibt es noch nicht genug Daten, aber den Vorfall mit dem defekten Fahrwerk.
Also von 20 Renault Zoe von Instadrive waren bei einem Fahrzeug die Querlenker zu ersetzen. Das wäre dann in 5 % der Fälle.
Bei der Auswertung von going-electric passiert es in 77 % der Fälle. Da wir annehmen, dass dieser Beitrag im Forum verstärkt von Leuten besucht wird, die Probleme mit dem Fahrwerk haben - muss hier von einem erhöhten Wert ausgegangen werden.
Die Wahrheit liegt also irgendwo zwischen unserem ermittelten Wert und dem Wert des Forums.
Aber Fakt bleibt: Die Vorderachse ist eine Schwachstelle der Zoe und verschleißt überproportional schnell.

Was kann man dagegen tun?

Der erste Punkt ist der Reifendruck. Viele Elektroautofahrer sind mit zu hohem Reifendruck unterwegs, weil dadurch ein geringerer Verbrauch möglich ist. Das spart Strom und ergibt mehr Reichweite, aber geht auch auf das Fahrwerk. Außerdem führt erhöhter Luftdruck auch zu einer stärkeren Abnutzung der Reifenmitte - was sich durch mehr Profilverschleiß bemerkbar macht. Also sollte man das mit dem erhöhten Luftdruck noch mal gut überdenken - denn die paar Euro mehr Stromverbrauch könnten doch weniger ins Gewicht fallen, als alle paar Jährchen neue Querlenker und neue Reifen kaufen zu müssen.
Am besten hält man sich an den vorgegebenen Reifendruck laut Hersteller.
Der zweite Punkt wäre auf Bordsteinkanten, Schlaglöcher und schlechte Straßen zu achten und wo es geht, zu vermeiden.
Und der dritte Punkt ist keine direkte Empfehlung, sondern eine Diskussionsanregung. Man könnte doch einzelne Teile, wie zum Beispiel die Koppelstange, die von Renault nicht besonders stark ausgeführt ist, in einer verstärkten Form für ca. 30 € das Paar kaufen und einbauen lassen bzw. selbst einbauen, wenn man es kann. Dazu braucht man nur "verstärkte Koppelstange Renault Zoe" in eine Suchmaschine einzugeben und schon gibt es zahlreiche Angebote.
Falls man die Probleme schon hat und die Laufleistung noch gering ist, kann man auch freundlich bei Renault anfragen - in vielen Fällen beteiligt sich Renault mit 50 % an den Kosten.
Und falls man zu einer freien Werkstatt geht und nur das Traggelenk ausgeschlagen ist, gibt es einen Trick: Das Traggelenk ist beim Renault ZOE gepresst, das heißt, man kann es einzeln austauschen. Laut Reparaturleitfaden muss man ja um die Querlenker auszubauen, die gesamte Fahrzeugfront demontieren, alle Flüssigkeiten ablassen usw. Das dauert und diese Arbeit muss bezahlt werden. Man kann also mit einem entsprechenden Pressbügel das Traggelenk im eingebauten Zustand auspressen und dadurch, dass man den Querlenker dazu nicht ausbauen muss, fällt auch die Achsvermessung nicht an. Das spart also viel Zeit und Geld.


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